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Vereinsgeschichte (Hauptverband)

Wer am Sonntagmorgen, früh um fünf Uhr, nicht schnell genug in seine Schlappen kam, konnte das Wandern gleich vergessen. Die Pfälzerwäldler der ersten Stunde strebten forschen Schrittes zum Bahnhof, um den Wanderexpress Ludwigshafen-Neustadt zu erreichen. Mit Volldampf ging es in den Wald, mit Volldampf wurde sechs Stunden gewandert und mit Volldampf ging es wieder zurück. Heute steht mehr die Familienwanderung im Vordergrund. Eines ist in hundert Jahren jedoch gleichgeblieben: das Wandern selbst. Immer einen Fuß vor den anderen setzen. 

 

Der PWV ist der viertgrößte der 55 deutschen Gebirgs- und Wandervereine. Gegründet wurde er 1902 in Ludwigshafen. Inzwischen gibt es gibt 220 Ortsgruppen mit rund 25000 Menschen. Der Verein betreut ein Wegenetz von rund 12000 Kilometern, verwaltet 17 Wanderheime, ca. 100 Hütten und einige Aussichtstürme. 

 

100 Jahre Pfälzerwald-Verein

Ein unbändiges Nix-wie-raus-Bedürfnis und verletzter Lokalpatriotismus standen Pate bei der Gründung des Pfälzerwald-Vereines vor 100 Jahren.  Nach der damals üblichen Sechs-TageArbeitswoche sehnten sich die Städter nach einem Ausflug ins Grüne. „Noch mehr als anderswo muss dies dort der Fall sein, wo rauchende Schlote die Wohnstätten in Rußwolken hüllen und das Bedürfnis nach reiner Land- oder Bergesluft doppelt empfinden lassen", heißt es im ersten Jahresbericht des Vereins.

 

Aniliner und Eisenbahner wie Otto Linck hoben den Verein schließlich am 27. November 1902 im Ludwigshafener Bürgerbräu aus der Taufe. Schon zum Sommerfahrplan 1903 setzten auf ihre Initiative die damals noch privaten Pfälzischen Eisenbahnen die ersten Sonntags-Eilzüge in der Pfalz auf die Gleise. Auch billigere Sonntags- und Touristenkarten sowie Sonderzüge ließen nicht lange auf sich warten. Und auf Bitten des Vereins wurde sogar eine neue Schnellzuglok werbewirksam „Pfälzerwald" getauft.

 

Scharenweise liefen die Mitglieder dem jungen Verein zu: 1914, also nur zwölf Jahre nach der Gründung, gehörten ihm sage und schreibe 16.900 Menschen in 132 Ortsgruppen an. Zu diesem Boom trug sicher nicht nur das Bedürfnis nach geselligem Wandern bei. Denn anders als heute kannten die meisten Menschen nur die Umgebung in Sichtweite ihres Kirchturms.  Und der Pfälzerwald war damals bei weitem noch nicht in dem Maße von markierten Wanderwegen erschlossen wie heute. Da vertraute man sich gern der Führung erfahrener „Pfadfinder" an. Ausbau und Unterhaltung des Markierungsnetzes sowie die Herausgabe genauer Wanderkarten hatte sich der Verein von Anfang an auf die Fahnen geschrieben. Schon 1908 gab Mitbegründer Heinrich Kohl die ersten Karten heraus. Jene „Päddeltreter", Motor und Mäzen des Vereins in seiner ersten Phase, hat mit seinem „nachgezogenen Tachometer" Pfad um Pfad ausgemessen, schreibt Hans Blinn in seiner Kohl-Biographie.

 

Weltkrieg, Inflation und Weltwirtschaftskrise warfen den Verein immer wieder zurück. 1933 unterstellten die Nazis den Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine, dem auch der Pfälzerwald-Verein angehörte, dem Reichssportverband.


Nach Kriegsende verboten die Besatzungsmächte den Verein, stellten seine Hütten und Aussichtstürme unter Sequesterverwaltung. Emil Ohler wurde zum Motor des Neubeginns, im Februar 1948 kam endlich die „vorläufige Genehmigung" der französischen Militärregierung. Männer wie Alfred Meyer (Hauenstein) oder Herbert Klar (Ludwigswinkel) bauten in den 60er und 70er Jahren wieder Kontakte zu den Wanderfreunden jenseits der Grenze auf. Das von Klar 1972 organisierte Pfingstzeltlager gilt als Geburtsstunde der europäischen Wanderjugend. Und der „Vogesen-Meyer" ist stolz darauf, als zweiter Deutscher seit 1918 die Ehrennadel des Vogesenclubs tragen zu dürfen. Ehrensache, dass der 73-Jährige auch im Jubiläumsjahr eine Lehrwanderung zu den Nachbarn vorbereitet.

 

Ab Ende der 60er Jahre setzte ein rasanter Zulauf ein: Heinz Wittner spürte auf einer Pfalz-Karte die weißen Flecken des Vereins auf und machte sich als eine Art Missionar rastlos auf den Weg. Bei etwa 130 der heute fast 240 Ortsgruppen stieß er die Gründung mit an. Ein weiterer Aktivposten war in jenen Jahren Ludwig Fischer, der jede freie Minute in sein Amt des ehrenamtlichen Geschäftsführers investierte.

 

Heute zählt der Verein 30.000 Mitglieder, mit den Familienangehörigen bringt er 60.000 Wanderer auf die Beine. Seit den 90er Jahren, unter der Ägide des Vorsitzenden Rainer Rund, bemühen sich die Pfälzerwäldler verstärkt, wieder mehr junge Menschen für das gesellige Wandern zu begeistern. Schließlich sollen lückenlose Weg-Markierungen und Wanderhütten mit preiswerter Kost auch in den nächsten 100 Jahren ein Markenzeichen der Pfalz bleiben.

 

Übrigens: Naturschutz war dem Pfälzerwald-Verein von Anfang an ein wichtiges Anliegen: Die Aufgabe, „die Naturschönheiten und Naturdenkmäler ... zu erhalten und zu schützen", wird im Paragraphen 1 der Satzung von 1907 ausdrücklich zu einem von mehreren Vereinszwecken erklärt. Dass das nicht bloß auf dem Papier stand, belegt die im Jahr davor unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten erfolgte Gründung des „Pfälzischen Kreisausschusses für Naturpflege". In der Liste jener Vereinsvertreter, die dieses Gremium aus der Taufe hoben, findet sich der damalige Vorsitzende des Pfälzerwald-Vereins und Königliche Oberforstrat Albrecht von Ritter an allererster Stelle. 

 

Durchgefroren und vor allem hungrig fiel die Hundertschaft Wanderer zur Mittagszeit des 18. Januar 1903 im Forsthaus Heldenstein ein: „Des Försters schmucke Tochter konnte den Wünschen so vieler nicht gerecht werden", heißt es im Bericht zur ersten Programm-Tour des gerade gegründeten Pfälzerwald-Vereins. So „mancher Tourist sprang helfend ein und schleppte dampfende Schüsseln und weingefüllte Krüge zum Speise und rank heischenden Freundeskreise".

 

Von Anfang an genossen deftige Kost und ein guter Tropfen einen hohen Stellenwert bei den „Pfälzerwäldlern". 

 

Da kann es nicht verwundern, dass der Verein schon 1908 seine erste bewirtschaftete Hütte eröffnete: Die Ortsgruppe Ludwigshafen hatte ein bei der Industrie- und Gartenbau-Ausstellung in Mannheim gezeigtes Blockhaus für 1400 Mark erworben und auf die Kalmit geschleppt. Was kein leichtes Unterfangen war, denn es gab noch keine Straße hinauf zum höchsten Gipfel des Pfälzerwaldes. Bis heute folgte der Bau von etwa 80 bewirtschafteten Hütten. Der Drang der Ortsgruppen nach eigenen Häusern scheint ungebrochen: In den letzten Jahren entstanden etwa in Martinshöhe, Harthausen oder Sondernheim neue Rastplätze für Wanderer.

 

Geld und Mühe für die Hütten sind gut angelegt. Zusammen mit dem dichten Wegenetz machen sie den Pfälzerwald zu einem in dieser Form einzigartigen Wanderparadies. Davon profitiert nicht nur der Fremdenverkehr, sondern auch die Vereine. Aber auch die Einheimischen wissen die Hausmannskost zu zivilen Preisen zu schätzen.

 

Alois Dehm kennt die Wälder zwischen Neustadt, Landau und dem Wellbachtal wie seine Westentasche: Seit 23 Jahren wacht er als „Bezirkswegewart Oberhaardt" des Pfälzerwald-Vereins darüber, dass bunte Kreuze, Striche und Scheiben verlässlich den Wanderern den Weg zeigen.  Auf seinen Kontrollgängen ist der pensionierte Briefträger aus Maikammer an einem Tag schon mal 43 Kilometer Berg auf, Berg ab unterwegs: „Das hält gesund."

 

Alles in allem betreuen die 18 Bezirkswegewarte des Pfälzerwald-Vereins mit ihren etwa 200 Helfern markierte Pfade mit einer Gesamtlänge von fast 12.000 Kilometern. Mehr sollen es nach einem Grundsatzbeschluss des Vorstandes auch nicht werden, betont Hauptwegewart Klaus Meyer. Die ersten Markierungen gehen noch auf die Verschönerungsvereine zurück, die damit schon vor der Gründung des Pfälzerwald-Vereins begannen. Ganz am Anfang steht der bayerische Forstbeamte Lorenz Wappes. Der hatte während seiner Dienstzeit in Odenwald und Spessart farbige Wegmarkierungen kennen gelernt.

 

Nach seiner Versetzung nach Trippstadt im Jahre 1893 machte sich Wappes ans Werk. Denn, wie er sich 1928 erinnerte: „In die gewaltige, im ganzen wenig erschlossene Waldmasse des inneren Pfälzerwaldes traute man sich früher nur selten hinein, weil man Weg und Steg nicht kannte." Der Beamte legte ein Gitter von je drei bis vier Ost-West- und Nord-Süd-Linien über den Wald. Mit Kreuzen gekennzeichnete Routen, die bis heute sämtlich über Johanniskreuz führen, verbanden diagonal dieses Netz. Nach Wappes erneuter Versetzung arbeitete sein Leimener Kollege August Zwißler das System durch und sorgte für die Ausführung.

 

Nach seiner Gründung im Jahre 1902 machte der Pfälzerwald-Verein die Unterhaltung der Markierungen zu seiner Aufgabe. Seit etwa drei Jahren genießen sie besonderen Schutz: Das Deutsche Patentamt in München hat die Zeichen als „Marke" unter seine Fittiche genommen. 

 

Auszug aus der Rheinpfalz, Jürgen Müller